Harnblasentumor
In der Bundesrepublik Deutschland erkranken jährlich ca. 16.000 Patienten neu an Harnblasenkrebs.
Ursachen
Zahlreiche chemische Stoffe werden mit der Entstehung von Harnblasenkrebs in Verbindung gebracht. Zigarettenrauchen wird für ca. 40% aller Erkrankungsfälle verantwortlich gemacht. Bei langjährigem Kontakt mit Stoffen, die in der Textil-, Leder- oder Farbindustrie verwendet werden, steigt das Erkrankungsrisiko ebenfalls.
Typische Beschwerden
Bei den meisten der Patienten fällt Blut im Urin auf. Diese Blutungen gehen vom Tumor aus. In der Regel sind diese Blutungen schmerzlos. Auch häufiger Harndrang, wobei jeweils nur eine geringe Menge Harn entleert wird, kommt bei rund 30 % der Betroffenen vor.
Diagnostik
Wichtigste Untersuchungsmethode um festzustellen, ob ein Harnblasentumor vorliegt, ist die Blasenspiegelung (=Zystoskopie). Bei dieser Untersuchung betrachtet der Urologe die Blaseninnenwand über die Harnröhre hindurch mit einem dünnen Rohr. Gleichzeitig kann er aus verdächtigen Bereichen Gewebeproben entnehmen. Die feingewebliche Begutachtung der Proben gibt Aufschluss darüber, ob es sich um Krebs handelt und wie tief der Tumor in die Blasenwand eingedrungen ist. Bestätigt sich der Verdacht auf Harnblasenkrebs, sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die Ausbreitung der Erkrankung zu bestimmen.
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach der Ausbreitung des Tumors: Bei einem oberflächlichen Harnblasenkrebs hat der Tumor noch nicht die Muskelschicht der Harnblasenwand befallen. Meist kann der Urologe während der Blasenspiegelung diese Tumoren mit einer elektrischen Schlinge (=TUR-Blase) abtragen. In der Regel haben diese Patienten eine sehr günstige Prognose, in vielen Fällen wachsen jedoch nach ein paar Monaten oder Jahren erneut Tumoren in der Harnblase. Deshalb werden nach der elektrischen Abtragung vorbeugend noch ambulant Medikamente (meist für 1 Stunde pro Woche über 6 Wochen) über die Harnröhre in die Harnblase eingespritzt.
Hat der Tumor die Muskelschicht der Blasenwand befallen oder liegt ein sehr aggressiver oberflächlicher Harnblasenkrebs vor, bietet die vollständige operative Entfernung der Blase die beste Aussicht auf Heilung (= Zystektomie). Bei Männern wird meistens zusätzlich die Prostata mit den Samenbläschen entfernt. Bei Frauen werden zusätzlich die Gebärmutter, die Harnröhre und meist auch die Eierstöcke entfernt. Eine teilweise Entfernung der Harnblase hat sich nicht bewährt und kommt nur in ausgewählten Fällen in Frage. Für die Urinableitung nach der operativen Entfernung der Harnblase stehen verschiedene Möglichkeiten, in Abhängigkeit von der Erkrankungssituation, dem Alter und dem Allgemeinzustand des Patienten, zur Wahl.
Bei der Bildung einer Ersatzblase (Neoblase) aus Darm, in die die Harnleiter neu eingepflanzt werden und die an die Harnröhre angeschlossen wird, kann die Blasenentleerung auf natürlichem Wege erfolgen.
Bestehen bereits Absiedlungen (=Metastasen) des Harnblasenkrebses in andere Körperregionen, (wie z.B. Lymphabflussstationen, Lunge, Leber, Knochen) wird die Behandlung individuell festgelegt. Neben der Gabe von Medikamenten (Chemotherapie) zur Behandlung dieser Absiedlungen kann in Abhängigkeit von Beschwerden im Bereich der Harnblase neben einer operativen Therapie (z.B. TUR-B; Zystektomie) auch eine Bestrahlungsbehandlung dem Patienten helfen.
Zur Früherkennung von Harnblasentumoren kann die so genannte Photodynamische Diagnostik (PDD) eingesetzt werden. Dieses Verfahren, das zusätzlich im Rahmen der klassischen Blasenspiegelung angewendet wird, ermöglicht durch eine spezifische Anfärbung von Harnblasentumoren mittels eines Farbstoffes der in die Harnblase eingebracht wird, eine verbesserte Diagnostik von Harnblasentumoren, die im Bereich der Oberfläche der Harnblasenwand entstehen. So kann der Urologe im Rahmen der Blasenspiegelung ohne Zeitverlust frühzeitig kleinste Tumoren erkennen und entsprechend behandeln.
Neben der klassischen Abtragung von oberflächlichen Harnblasentumoren im Rahmen der Blasenspiegelung mittels des elektrischen Stromes (=TUR-Blase) besteht zusätzlich die Möglichkeit durch den Einsatz von Laserenergie Harnblasentumore zu behandeln. In bestimmten Fällen ermöglicht dieses Verfahren eine punktgenaue Zerstörung von Krebszellen unter Schonung des umgebenden, nicht befallenen Harnblasenwandgewebes. Die Entscheidung über den Einsatz dieses Verfahrens erfolgt anhand individueller Gesichtspunkte, wie der Ausdehnung und der Anzahl der Tumoren, im Rahmen der Blasenspiegelung.
Weitere Infos finden Sie unter: Medicine Worldwide: Blasenkrebs